Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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1.6.20

Matthäus 16:13-19, Teil II

               
Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: “Für wen halten die Leute den Menschensohn?” Sie antworteten: “Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.” Er fragte sie: “Ihr aber, für wen haltet ihr mich?” Simon Petrus antwortete: “Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!” Da sagte Jesus zu ihm: “Selig bist du, Simon, Sohn des Jona! Denn nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir: Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. Was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.”

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.            
Übersetzung aus dem Lateinischen, Johannes. Nepomuk Oischinger, Priester. Verlag von G. Joseph Manz, 1846

Da der Herr um die Meinung des Volkes fragt[1], antworten Alle; als aber alle Apostel gefragt werden, antwortet Petrus als der Mund und das Haupt der Apostel für Alle. Daher folgt: Simon Petrus antwortete aber und sprach: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. — Petrus leugnete[2], daß Jesus etwas von dem sei, wofür ihn die Juden hielten, aber er bekannte: Du bist Christus, was die Juden nicht wußten, sondern, was noch mehr ist: Der Sohn des lebendigen Gottes, der auch durch die Propheten[3] gesagt hatte: Ich lebe, sagt der Herr; darum sagte er lebendig, aber im höchsten Sinne, weil er über alles Lebendige hinausragt, weil er allein die Unsterblichkeit hat, und die Quelle des Lebens ist, was eigentlich Gott der Vater heißt. Das Leben ist der gleichsam von der Quelle Hervorgehende, welcher sagte (Johannes. 11): Ich bin das Leben. — Gott nennt er ferner lebendig im Vergleich zu den Götzen[4], die für Götter gehalten werden, aber tot sind, nämlich Saturn, Jupiter, Venus und Herkules und die übrigen Ungeheuer der Götzen. — Der Glaube ist aber wahr und unverletzlich[5], daß von Gott Gott der Sohn hervorgegangen sei, der mit dem Vater von gleicher Ewigkeit ist. Daß dieser nun den Leib angenommen und Mensch geworden sei, dies ist das vollkommene Bekenntnis. Er faßte also Alles zusammen, indem er die Natur und den Namen ausdrückte, worin die höchste Tugend liegt. — Auf eine wunderbare Weise geschah es[6], daß der Herr selbst die Niedrigkeit der angenommenen Menschheit bekannte, während der Jünger die Erhabenheit der göttlichen Natur zeigte. Dem Bekenntnis des Petrus folgte aber ein würdiger Lohn[7], weil er an dem Menschen den Sohn Gottes gesehen hatte. Daher folgt: Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jona Sohn; denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart. — Denn Christus gab ebenfalls dem Apostel Zeugnis[8], wie Petrus von ihm Zeugnis ablegte. Er hatte nämlich gesagt: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Der Herr aber sagte zu ihm: Selig bist du, Simon, Jona Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir dieses nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist. Was das Fleisch und Blut nicht offenbaren konnte, das wurde durch die Gnade des heiligen Geistes geoffenbart.


 

[1] Chrysostomos ut sup.

[2] Origenes ut sup

[3]. Jes 49,18; Jerem 22,24; Hez 5,11; 14,16; 18,20; 17,19; 18,3; 33,11+27; 34,8

[4] Hieronymus

[5] Hilarius ut sup.

[6] Rabanus

[7] Hilarius ut sup.

[8] Hieronymus

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

 

Band 17, 30. Oktober 1924

Wenn du wüsstest, was eine größere Erkenntnis meines Willens bedeutet, was es heißt, einen weiteren Akt in Ihm zu tun. Sich in meinem erkannten Willen zu halten und in Ihm zu handeln, in Dem das [menschliche] Geschöpf und die Aufgabe, die Schönheit und Erhabenheit eines jeden Geschöpfs gebildet wird. O, um wie viel mehr würdest du die verschiedenen Kenntnisse schätzen, die Ich dir über meinen Willen geoffenbart habe! Eine zusätzliche Kenntnis über meinen Willen erhebt die Seele zu solch erhabener Höhe, dass selbst die Engel erstaunt und hingerissen sind, und Mir ununterbrochen bekennen: „Heilig, heilig, heilig.” Mein Wille manifestiert sich und ruft die Dinge aus dem Nichts, indem Er Wesen schafft. Er gibt sich der Seele kund und schmückt sie [zugleich], Er offenbart sich, und erhebt sie noch höher, Er teilt sich ihr mit und vermehrt das Leben Gottes in ihr, Er tut sich kund und wirkt in ihr neue und nie gekannte Wunder. So kannst du aus dem Vielen, das Ich dir über meinen Willen offenbart habe, erfassen, was Ich aus dir machen möchte und wie sehr Ich dich liebe, und dass dein Leben eine Kette von ständigen, in meinem Willen vollbrachten Akten sein soll. Wäre der Mensch, so wie der Engel, nie aus jenem primären Akt hinausgegangen, in dem mein Wille ihn hervorgebracht hatte – welche Ordnung, welche Wunder hätte man dann nicht auf der Erde gesehen? Daher, meine Tochter, verlasse nie deinen Ursprung, in dem mein Wille dich erschuf, und dein erster Akt möge stets mein Wille sein.”