Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien in chronologischer Folge

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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Matthäus 16: 13-19 Teil II


Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: “Für wen halten die Leute den Menschensohn?” Sie antworteten: “Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.” Er fragte sie: “Ihr aber, für wen haltet ihr mich?” Simon Petrus antwortete: “Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!” Da sagte Jesus zu ihm: “Selig bist du, Simon, Sohn des Jona! Denn nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir: Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.  Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. Was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.”

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.  

Sodann überträgt er Petrus ein anderes Vorrecht[1], wenn er sagt: Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben; gleich als wollte er sagen: Wie der Vater dir mich zu erkennen gab, so werde auch ich etwas geben, nämlich die Schlüssel des Himmelreiches. — Denn Jenem[2], welcher den König des Himmels mit größerer Liebe als die Übrigen bekannte, werden mit Recht vor den Übrigen die Schlüssel des Himmelreiches verliehen, daß Alle wüßten, daß ohne dieses Bekenntnis und diesen Glauben Niemand in den Himmel eingehen könnte. In den Schlüsseln des Himmelreiches liegt die Unterscheidung und die Macht: die Macht, wodurch er bindet und löst; die Unterscheidung, wonach er sie dessen für würdig oder unwürdig erkennt. — Daher folgt[3]: Und was du immer binden wirst, d.h. wen du immer, so lange er lebt, der Vergebung für unwürdig erkannt hast, der wird auch bei Gott dessen unwürdig sein. Und was du immer lösen wirst, d.h. wen du immer, so lange er lebt, der Verzeihung für würdig erkennest, der wird von Gott die Vergebung der Sünden erlangen. — Betrachte aber[4], welch eine große Macht der Felsen hat, worauf die Kirche gebaut wird, daß auch seine Urteile festbleiben, gleich als ob Gott durch ihn richtete. — Sieh ferner[5], wie Christus den Petrus zu der erhabenen Erkenntnis von ihm erhebt. Denn er verheißt ihm das zu geben, was nur allein Gott zukommt, nämlich die Sünden zu vergeben und die Kirche unter so vielen Stürmen der Verfolgungen und Versuchungen unwandelbar zu machen. 

Obschon aber diese Macht zu lösen und zu binden dem Petrus allein von dem Herrn verliehen worden zu sein scheint[6], so wird sie doch auch den übrigen Aposteln verliehen, und jetzt auch in den Bischöfen und Priestern der ganzen Kirche. Darum aber hat Petrus besonders die Schlüssel des Himmelreiches und den Vorrang der Richtergewalt empfangen, daß alle Gläubigen auf dem Erdkreise einsehen, daß Alle, welche sich von der Einheit des Glaubens oder jener Gesellschaft auf irgendeine Weise trennen, weder von den Fesseln der Sünden losgesprochen werden, noch die Türe des Himmelreiches betreten können.  

[1]  Chrysostomos ut sup.

[2]  Rabanus

[3]  Glossa interlinear.

[4] Origenes ut sup.

[5] Chrysostomos ut sup.

[6] Rabanus

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA 

Band 36, 30. Oktober 1938

 

Und was tut mein FIAT? Mit seiner Macht und Unermesslichkeit lässt Es diese Liebe, die Wir der Seele gegeben haben, fliegen und überall kreisen, und Wir fühlen, wie Uns die Seele in jedem Schritt, in jeder Bewegung, in jedem Gedanken, Wort und Herzschlag aller Geschöpfe liebt. Sie liebt Uns in der Sonne, im Wind, in der Luft, im Meer – es gibt nichts, wo sie Uns nicht liebt. O, wie beglückt und ehrt es Uns, dass Uns die Seele in allen und überall liebt! Somit lieben Wir nicht nur diese Seele mit neuer Liebe, sondern alle Geschöpfe. Bei einem Liebesakt in meinem Willen geschehen so viele Wunder, dass die Himmel voller Sehnsucht zuschauen wollen, um die neuen Überraschungen unserer Liebe zu genießen. Unsere Gottheit selbst erwartet mit unsagbarer Freude den Eintritt der Seele in unseren Willen, damit sie Uns liebe, sodass Wir mit unserer Liebe prunken können, um Uns von allen geliebt zu fühlen.

Wir setzen unsere Liebe frei, dass sie ihren Weg gehe – und nicht nur unsere Liebe – sondern wenn die Seele ihre Akte in unserem FIAT wiederholt, setzen Wir neue Macht, neue Güte und neue Weisheit auf eine Art frei, dass sich die Seele von neuer Macht, Güte und Weisheit belebt fühlt, woran alle teilhaben werden. Und Uns wird die Freude zuteil, die Menschengeschlechter mit unserer neuen Macht, Güte und Weisheit erfüllt zu sehen.

Was können Wir mit dieser Seele nicht alles tun, die in unserem Willen lebt? Wir verleihen ihr sogar das Recht, zusammen mit Uns zu richten. Wenn Wir sehen, dass sie unter der strengen Bestrafung eines Sünders leidet, so mildern Wir, um sie nicht leiden zu lassen, unsere gerechte Strenge, und sie bewirkt, dass Wir den Kuss der Verzeihung geben. Um sie glücklich zu machen, sagen Wir zu ihr: ‚Arme Tochter, du hast Recht. Du gehörst Uns, und du gehörst auch zu ihnen. Du fühlst in dir die Bande der menschlichen Familie, darum wünschst du, dass Wir allen vergeben. Wir werden tun, so viel Wir können, um dich glücklich zu machen, jene ausgenommen, die unsere Vergebung verachten oder zurückweisen.’

Dieses Geschöpf in unserem Willen ist die neue Esther, die ihr Volk retten will. Wie glücklich sind Wir doch, sie stets bei Uns in unserem Willen zu haben! Denn durch sie fühlen Wir Uns geneigter, Barmherzigkeit zu üben, Gnaden zu gewähren, den verstocktesten Sündern zu vergeben und die Leiden der Seelen im Fegefeuer abzukürzen. Arme Tochter! Sie hat ein Gedenken für alle, und ihr Schmerz ist dem unseren ähnlich, weil sie sieht, wie die Menschheitsfamilie gleichsam in unserem Willen schwimmt und Ihn [doch] nicht erkennt und mitten unter Feinden, im größten Elend lebt.“

Dann fügte Er hinzu: „Meine Tochter, du sollst wissen, wenn die Seele meinen Willen erkennt, Ihn liebt und ihr Leben in Ihm führen will, dann ergießt sich die Seele in ihren Gott und Gott ergießt sich in sie. Mit diesem beiderseitigen Ergießen eignet sich Gott die Seele an, lässt sie an all seinen Akten teilhaben, ruht sich in ihr aus, nährt sie und lässt sie immer mehr in seinen Akten wachsen. Und die Seele macht sich ihren Gott zu eigen, nimmt Ihn überall wahr und findet seine sanfte Ruhe in Ihm, Den sie liebt und Der ihr Leben und ihr Alles ausmacht.

Zudem nehmen Wir, wenn die Seele ihren Akt in unserem FIAT vollbringt, die Verbindung mit allen geschaffenen Wesen wahr. In ihrem Akt möchte sie Uns alle und alles geben und lässt Uns alle und alles finden.