Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien in chronologischer Folge

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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25.1.20

Lukas 8, 4-15 Teil II

 

Gleichnis vom Sämann 

 

4 Als viel Volk zusammenkam und die Leute aus allen Städten ihm zuströmten, sagte er in einem Gleichnis:

5 "Ein Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Beim Säen fiel einiges auf den Weg, wurde zertreten und die Vögel des Himmels pickten es auf.

6 Anderes fiel auf steinigen Grund; es ging zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

7 Anderes fiel mitten unter die Dornen. Die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es.

8 Und anderes fiel auf gutes Erdreich, ging auf und trug hundertfältige Frucht." Bei diesen Worten rief er aus: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"

9 Da fragten ihn seine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute.

10 Er antwortete: "Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den anderen werden sie nur in Gleichnissen dargeboten, damit sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen.

 

Auslegung des Gleichnisses

 

11 Das aber bedeutet dieses Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.

12 Die auf dem Weg sind jene, die es wohl hören; dann aber kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und gerettet werden.

13 Die auf dem steinigen Grund sind jene, die, wenn sie das Wort hören, es mit Freuden aufnehmen, aber nicht Wurzel fassen lassen. Sie glauben eine Zeitlang, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab.

14 Was unter die Dornen fiel, sind jene, die das Wort zwar hören, dann aber hingehen und es in den Sorgen, Reichtümern und Genüssen des Lebens ersticken und so keine reife Frucht bringen.

15 Was endlich auf gutes Erdreich fiel, sind jene, die das Wort hören, es in einem edlen und guten Herzen bewahren und Frucht bringen mit Beharrlichkeit.

 

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.            
Übersetzung aus dem Lateinischen, Johannes. Nepomuk Oischinger, Priester. Verlag von G. Joseph Manz, 1846


Er ging aber jetzt aus[1], nicht um die Ackerleute zu verderben oder die Erde zu verbrennen, sondern er ging aus zu säen. Denn oft geht ein Landmann, der sät, wegen einer anderen Ursache aus, nicht nur, um zu säen. — Es gingen aber Einige von dem himmlischen Vaterland aus[2], und kamen zu den Menschen, jedoch nicht, um zu säen; denn sie waren keine Säer, sondern als dienstbare Geister, die zum Dienst gesendet sind (Hebr. 1, 14). Auch teilten Moses und die Propheten nach ihm den Menschen nicht die Geheimnisse des Himmelreiches mit, sondern, indem sie die Unwissenden von dem Irrtum der Sünde und des Götzendienstes abbrachten, bebauten sie gleichsam die Seelen der Menschen und schufen sie zu neuen Äckern um. Nur allein der Säemann von Allen, das Wort Gottes, ging aus, um neue Samen, nämlich die Geheimnisse des Himmelreiches, zu verkünden.

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

Band 35, 12. März 1938


"Meine Tochter, das Leben der Seele, die in unserem Willen lebt, wird in unserem göttlichen Sein gebildet: es wird ständig empfangen, geboren und wiedergeboren. Wie unser Göttliches Wesen stets im Akt der Zeugung ist, so ist die Seele stets dabei, wiedergeboren zu werden. Dabei wird sie zu neuer Liebe, neuer Heiligkeit und neuer Schönheit geboren. Bei dieser Wiedergeburt wächst sie heran und empfängt fortwährend von Uns. Diese Neugeburten sind ihr und unser größtes Glück, weil Wir fühlen, dass das Geschöpf nicht nur in Uns lebt, sondern in unserem eigenen Leben wiedergeboren wird, heranwächst und in unserem eigenen stets neuen Akt erneuert wird. Wir sehen mit Freude ihrer Wiedergeburt zu, weil die Seele dabei neue, noch größere und anziehendere Schönheit erwirbt als zuvor. Aber bleibt sie etwa so? Ach nein, noch mehr Schönheit wird in die Seele eindringen und nie damit aufhören, aber so sehr, dass Wir unseren entzückten Blick nicht abwenden mögen, um in der Seele uns an unseren endlosen Schönheiten erfreuen zu können. Wir lieben diese unsere Schönheiten, mit welchen Wir die Seele unaufhörlich bekleiden. Während Wir sie unter dem Regen unserer mannigfaltigen Schönheiten betrachten, bleibt unsere Liebe nicht zurück, sondern lässt die Seele in jedem Augenblick in unserer stets neuen Liebe wiedergeboren werden, sodass sie Uns also fortwährend mit neuer Liebe liebt, die stets zunimmt und niemals anhält.

Wer kann dir das Leben der Seele beschreiben, das in Uns gebildet wird? Es ist unser Paradies, das Wir in der Seele gestalten. Mit ihrer Wiedergeburt in Uns bereitet sie Uns immer neue Freuden und neue Überraschungen an Glückseligkeit, weil sie ja in unserer Macht, Weisheit, Güte und Heiligkeit wiedergeboren wird. Da Wir also in ihr unser Leben wahrnehmen, lieben Wir sie, so wie Uns Selbst.

Da sie nun so oft in Uns wiedergeboren wurde, verleihen Wir ihr die Eigenschaft, unseren Samen zu empfangen, d.h. dass Wir in ihr so viele unserer göttlichen Leben säen können, wie Wir wollen. Hier tritt also unser Göttlicher Wille auf den Plan, der mit seinem Fiat spricht und erschafft, spricht und göttliche Leben sät. Er lässt sie mit seinem Hauch heranwachsen, ernährt sie mit seiner Liebe und verleiht ihnen mit seinem Licht die Nuancen aller verschiedenen Schönheiten; umso mehr als – da dieses Leben so oft in Uns wiedergeboren wurde und in Uns Selbst herangewachsen ist – Wir ihm (diesem Leben) alle Vorrechte eingegossen haben, die Saat unserer göttlichen Leben empfangen zu können. Diese Leben sind die kostbarsten, sie besitzen die schöpferische Eigenschaft und haben denselben Wert wie Wir. Wir können behaupten, dass Wir selbst es sind, die so viele Leben von Uns gebildet und im Geschöpf ausgesät haben. Vergleicht man diese Leben mit der Sonne, so bleibt das Sonnenlicht wie Schatten hinter ihnen zurück, und die Ausdehnung des Himmels ist gering im Vergleich mit ihnen.

Aber willst du wissen, wozu diese unsere Leben dienen werden, die Wir mit so viel Liebe in der Seele herangebildet haben? Dazu, um die Erde zu bevölkern und in der Menschheitsfamilie das Leben unseres Willens zu generieren! Es sind Leben von Uns, meine Tochter, unser Leben stirbt nicht, sondern ist ewig mit Uns. Daher warten [diese Leben] alle darauf, von den Menschen Besitz zu ergreifen, um [zusammen] mit ihnen ein einziges Leben zu bilden.