Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

copy right

2.12.20

Matthäus 13: 44-52, Teil VI

Die Gleichnisse vom vergrabenen Schatz, von der Perle und vom Fischfang

44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen war. Ein Mann fand ihn, deckte ihn aber wieder zu. Voll Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker.

45 Mit dem Himmelreich verhält es sich auch wie mit einem Kaufmann, der edle Perlen suchte.

46 Als er eine kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

47 Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Fischnetz, das ins Meer geworfen wurde und Fische aller Art einfing.

48 Als es voll war, zog man es ans Ufer, setzte sich und sammelte die guten in Gefäße, die schlechten warf man weg.

49 So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden ausziehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern

50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

51 Habt ihr das alles verstanden?" Sie antworteten: "Ja."

52 Da sagte er zu ihnen: "Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der in der Lehre des Himmelreichs bewandert ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt."

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.            

 

Der in dem Acker verborgene Schatz ist das himmlische Verlangen; der Acker aber, in dem der Schatz verborgen wird, ist die Zucht des himmlischen Eifers. Denn wenn der Mensch diesen Schatz findet, verbirgt er ihn, um ihn nämlich zu bewahren, weil der Eifer des himmlischen Verlangens ihn vor den bösen Geistern nicht zu bewachen vermag, wenn man ihn vor dem menschlichen Lob nicht verbirgt. Denn im gegenwärtigen Leben befinden wir uns gleichsam auf dem Wege, auf dem wir zum Vaterland wandeln. Die bösen Geister aber belagern wie Räuber unseren Weg. Sie wollen also die berauben, welche den Schatz offen auf dem Wege tragen. Dies aber sage ich, nicht daß unsere Nächsten unsere guten Werke nicht sehen, sondern daß wir durch unsere Handlungen kein Lob in der Außenwelt suchen. Das Himmelreich wird aber darum mit den irdischen Dingen verglichen, damit der Geist von dem Bekannten sich zum Unbekannten erhebe, damit er durch das Bekannte, welches er zu lieben weiß, auch das Unbekannte zu lieben lerne. Es folgt: Und aus Freude geht er hin u.s.w. Denn man verkauft Alles, um den Acker zu gewinnen, wenn man den Gelüsten des Fleisches widerstehend alle irdischen Begierden durch die Wachsamkeit der himmlischen Zucht mit Füßen tritt.

Täglichen Kommentar mit Newsletter bestellen

AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

Band 36, 20. November 1938

 

"Meine geliebte Tochter, die Seele, die in meinem Willen leben will, wird zum Gegenstand seiner ständigen Erwartung. Er wartet auf sie, wenn sie liebt, weil Er gemeinsam mit ihr lieben möchte; wenn sie arbeitet, erwartet Er sie, weil Er Handelnder und Zuseher dabei sein will. Mein Wille ist also in ständiger brennender Sehnsucht und Erwartung all dessen, was die Seele tut, um ihre Akte zu umhüllen, damit Er in ihr handle und sich ihre Akte aneigne. Zudem sollst du dies wissen: sobald die Seele in Ihn eintritt, findet sie die Heiligkeit Gottes, die sie umfasst, seine Schönheit, die sie schmückt, seine Liebe, die sie in Gott umwandelt. Seine Reinheit macht sie so strahlend rein, dass sie sich nicht wiedererkennt, und sein Licht verleiht ihr die Ähnlichkeit mit Gott. O, wie sehr vermag die Macht meines Willens das Los des Menschen zu wenden! Darum also wird Er zum Zuseher [der Akte] der Seele, weil Er seine Arbeit ausführen will, die Er seit Ewigkeit her [ab aeterno] für jenes Geschöpf zu tun bereithält. Mein Wille möchte in seiner fortwährenden Bewegung nicht behindert werden. Er geht soweit, dass Er die Seele in seine ewige Bewegung einschließt, damit sie empfange und gebe, und Er nicht leidvoll warten muss. Er erträgt es nämlich nicht, dass eine Seele in seinem Willen ist und [dennoch] nicht in enger Verbundenheit mit Ihm lebe. Wenn Er die Seele nicht in seiner göttlichen Bewegung wahrnimmt, fühlt Er seine Heiligkeit geteilt, seine Liebe gehemmt und unterdrückt.

Deshalb haben Wir in der Seele, die in unserem Fiat lebt, unser kleines göttliches Wirkungsfeld, wo Wir unsere Arbeit ausführen können. Unser Wille reicht uns die passende Materie dar, damit Wir die schönsten Werke gestalten können. Wenn Wir nämlich auf dem kleinen Acker der Seele arbeiten möchten, wollen Wir den Baustoff unserer Heiligkeit vorfinden, weil Wir unsere heiligen Hände nie in den menschlichen Schlamm legen. Für die Ausführung unserer schönsten Werke wollen Wir unsere Reinheit vorfinden, die Uns anzieht, unsere entzückende Schönheit und unsere Liebe, die Uns zum Wirken drängt. Und es ist allein unser Wille, der Uns diese unsere göttliche Materie für die Arbeit zu reichen vermag: alles können Wir verwenden, und so schaffen Wir Werke, die Himmel und Erde in Staunen setzen.

Wo hingegen unser Wille nicht ist, sind Wir zur Untätigkeit gezwungen. Es gibt keine für Uns geeignete Materie, und wenn etwas Gutes da ist, so ist es ein scheinbares Gut, verdorben von Selbstschätzung, Eigenlob und falschen Absichten, und Wir schrecken davor zurück, in dieser Seele zu wirken, weil Wir sonst unsere schönsten Werke in Gefahr bringen würden. Wir sichern Uns zuerst ab, und dann werden Wir aktiv.

Du sollst wissen, je mehr Akte die Seele in unserem Willen vollbringt, desto mehr dringt sie in Gott ein, und Wir können das kleine Feld in unserem Göttlichen Schoß umso mehr erweitern und umso schönere Werke tun und noch mehr von Uns schenken. So befindet sich die Seele also stets unter dem anwachsenden Akt unseres göttlichen Lebens. Unsere Liebe liebt sie so sehr, trägt sie auf den Armen und lässt Uns ununterbrochen zu ihr sagen: „Wir machen dich zu unserem Abbild und Gleichnis".