Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien in chronologischer Folge

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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15.6.21

Markus 6:17-29


17 Dieser Herodes hatte hingesandt und Johannes ergreifen und ihn gefesselt in das Gefängnis werfen lassen; und das wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er zur Frau genommen hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: “Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.”  Das trug Herodias ihm nach. Sie hätte ihn gern töten lassen, konnte es aber nicht, denn Herodes hatte Scheu vor Johannes; er kannte ihn als einen gerechten und heiligen Mann und ließ ihn bewachen. Wenn er ihn hörte, war er sehr beunruhigt, trotzdem hörte er ihn aber gern. Ein für Herodias günstiger Tag kam, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Fürsten, den Hauptleuten und den Vornehmen Galiläas ein Festmahl gab. Da ging die Tochter eben jener Herodias hinein und tanzte. Sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen, so daß der König zu dem Mädchen sagte: “Verlange von mir, was du nur willst; ich werde es dir geben.”  Er schwur ihr: “Was immer du erbittest, werde ich dir geben, bis zur Hälfte meines Reiches!” Da ging es hinaus und fragte seine Mutter: “Was soll ich erbitten?” Die aber sagte: “Das Haupt Johannes des Täufers.” Das Mädchen eilte zum König zurück und forderte: “Ich will, daß du mir sogleich auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers gibst.” Da wurde der König sehr betrübt, aber des Eides und der Gäste wegen wollte er sie nicht abweisen. So sandte der König sofort einen Scharfrichter aus und befahl: “Man bringe sein Haupt!” Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis, brachte sein Haupt auf einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter. Seine Jünger hörten davon; sie kamen, nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.

 

Herodias stellte ihm aber nach u.s.w. — Denn Herodias fürchtete, Herodes könnte es einmal bereuen oder sich mit seinem Bruder Philippus versöhnen, und es konnte so die unerlaubte Ehe durch einen Scheidebrief aufgelöst werden. Es folgt: Herodes aber fürchtete Johannes, weil er wußte, er sei ein gerechter und heiliger Mann. — Er fürchtete ihn[1], sage ich, indem er ihn in Ehren hielt; denn er wußte, daß er gerecht sei in Bezug auf die Menschen und heilig in Bezug auf Gott. Und er war für ihn wachsam, damit er nämlich nicht von der Herodias getötet würde. Und er tat, nachdem er ihn vernommen, Vieles, weil er glaubte, daß er im Geiste Gottes rede. Und er hörte ihn gerne, weil er das für nützlich hielt, was er sagte. — Betrachte aber[2], was die Wut der Begierlichkeit tut; denn obschon Herodes eine solche Ehrfurcht gegen Johannes hatte, so vergaß er doch dieses alles und war nur auf seine Wollust bedacht. — Denn sein wollüstiger Wille zwang ihn[3], an den Hand anzulegen, von dem er wußte, daß er gerecht und heilig sei. Daraus sieht man, daß eine geringere Sünde für ihn die Ursache einer größeren wurde, nach den Worten (Offenb. 22): „Wer unrein ist, der werde noch unreiner."

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

Band 14, 1. Juni 1922

Was die Wahrheit ist.

Pilatus fragte Mich mit aufrichtigem Herzen, und Ich war bereit, ihm zu antworten, Herodes hingegen fragte Mich mit Bosheit und aus Neugier, und Ich antwortete ihm nicht. Denen also, die die heiligen Dinge mit Aufrichtigkeit wissen wollen, offenbarte Ich sogar mehr noch, als sie wissen wollen; wer sie indessen mit Bosheit und aus Neugier kennen will, dem verberge Ich Mich, und während sie Spott mit Mir treiben wollen, verwirre Ich sie und mache Mich über sie lustig. Doch da meine Person die Wahrheit in sich trug, tat sie auch vor Herodes ihren Dienst: mein Schweigen angesichts der stürmischen Fragen des Herodes, mein bescheidener Blick, die Haltung meiner Person, voller Sanftheit, Würde und Adel, waren alles Wahrheiten, und wirksame Wahrheiten.“