Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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21.9.20

Lukas 14:1-11, Teil I

Als er an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers gegangen war, um zu essen, beobachteten sie ihn. Da stand ein Mann vor ihm, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: “Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?” Sie aber schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte ihn und hieß ihn gehen. Und zu ihnen sagte er: “Wenn einem von euch sein Sohn oder Ochse in eine Grube fällt, zieht er ihn dann nicht sofort heraus; auch an einem Sabbat?” Dagegen konnten sie ihm nichts erwidern. Als er bemerkte, daß die Geladenen sich die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: “Wenn du von jemand zu einem Hochzeitsmahl geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ja ein vornehmerer als du geladen sein, und dein und sein Gastgeber könnte kommen und zu dir sagen: »Mache diesem Platz!« - Dann müßtest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Nein, wenn du geladen bist, geh hin und setze dich an den letzten Platz. Dann wird dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir vor allen, die mit dir zu Tisch sitzen, zur Ehre gereichen. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.”

 

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.


Weil aber der Evangelist diese Ermahnung ein Gleichnis nennt 3), so ist kurz der mystische Sinn zu betrachten. Wer zur Hochzeit der Kirche Christi eingeladen kommt, und mit den Gliedern der Kirche durch den Glauben verbunden ist, der erhebe sich nicht und rühme sich nicht wegen seiner Verdienste, gleich als sei er vorzüglicher als die Übrigen. Denn er wird einem Angeseheneren, der nachher eingeladen wurde, seinen Platz abtreten, wenn die, welche in Christo ihr Heil suchen, durch ihren Eifer ihm voraneilen. Und er nimmt mit Schande den letzten Platz ein, wenn er den Vorzug der Anderen erkennt und das, was er von seiner Tätigkeit Hohes dachte, erniedrigt sieht. Aber es sitzt Jemand am letzten Platze nach den Worten (Eccle. 3, 26): Je größer du bist, desto mehr demütige dich in Allem. Wenn aber der Herr kommt, preist er den, welchen er als demütig findet, durch die Benennung eines Freundes selig und heißt ihn weiter hinaufzurücken. Denn wer sich wie ein Kind demütigt, der ist der Größte im Himmelreich.

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

 

Band 20, 4. November 1926

 

Im Evangelium liest man mit Staunen, dass Ich Mich zu Füßen meiner Apostel niederwarf und ihnen die Füße wusch und dabei nicht einmal den treulosen Judas überging. Diesen Akt, der gewiss ganz demütig und unsagbar zärtlich war, und dessen die Kirche gedenkt, vollbrachte Ich aber nur einmal. Mein Wille hingegeben erniedrigt sich noch mehr und begibt sich unter die Füße der Menschen mit einem fortdauernden Akt, um sie zu stützen, um die Erde fest zu machen, damit sie nicht in den Abgrund stürzen, und dennoch erntet Er keine Aufmerksamkeit.Der edle König wartet mit unbesiegter Geduld – seit so vielen Jahrhunderten in allen geschaffenen Dingen verhüllt – dass sein Wille bekannt werde; und wenn Er bekannt sein wird, wird Er die vielen Schleier zerreißen, die Ihn verbergen, und wird offenbar machen, was Er seit so vielen Jahrhunderten aus Liebe zum Menschen getan hat. Er wird unerhörte Dinge sagen, Exzesse der Liebe, an die nie jemand gedacht hätte. Das ist der Grund, warum Ich, wenn Ich zu dir von meinem Willen spreche, so oft von der Schöpfung rede, denn mein Wille ist das Leben aller geschaffenen Dinge, und durch diese geschaffenen Dinge verleiht Er allen das Leben, und dieses Leben möchte offenbar werden, damit das Reich des ewigen FIAT kommen kann.4'