Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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2.4.20

 

Lukas 7:36-50, Teil I


Ein Pharisäer bat ihn, bei ihm zu essen. Er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch. Eine Frau, die in der Stadt als Sünderin bekannt war, erfuhr, daß er im Haus des Pharisäers zu Tisch liege. Sie brachte ein Alabastergefäß mit Salböl,  und ließ sich weinend hinten zu seinen Füßen nieder. Mit ihren Tränen benetzte sie seine Füße und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. Dann küßte sie seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.  Als der Pharisäer, der ihn geladen hatte, dies sah, dachte er bei sich: “Wenn dieser ein Prophet wäre, wüßte er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn berührt, - daß sie eine Sünderin ist!” Jesus sagte zu ihm: “Simon, ich habe dir etwas zu sagen.” Dieser erwiderte: “Sprich, Meister!” Er sagte: “Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner. Der eine schuldete ihm fünfhundert Denare, der andere fünfzig. Da sie nicht bezahlen konnten, erließ er es beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?” Simon antwortete: “Ich glaube, der, dem er die größere Summe geschenkt hat.” Jesus sagte zu ihm: “Du hast richtig geurteilt.” Dann sagte er, der Frau zugewandt, zu Simon: “Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus, und du gabst mir kein Wasser für die Füße; sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du gabst mir keinen Kuß; sie aber hat seit meinem Eintritt unaufhörlich meine Füße geküßt. Du salbtest mein Haupt nicht mit Öl; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, weil sie viel Liebe gezeigt hat; wem aber weniger vergeben wird, der hat weniger Liebe.” Dann sagte er zu ihr: “Deine Sünden sind dir vergeben.” Da dachten die, die mit ihm zu Tisch lagen, bei sich: “Wer ist dieser, daß er sogar Sünden vergibt?” Er aber sagte zu der Frau: “Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!”          
 

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.

 

Wenn wir aber zur wahren Buße nach den Sünden zurückkehren, so stehen wir schon hinter den Füßen, weil wir den Fußstapfen dessen folgen, den wir bekämpften, so wirke auch du nach der Sünde Buße,[1] wo du den Namen Christi hörest, laufe herbei, wo du erkennest, daß Jesus in das Haus eingegangen, dahin eile auch du. Wenn du Weisheit findest, wenn du in einigen Wohnungen die Gerechtigkeit zu Tische sitzen siehst, so eile hin zu den Fußen, d.h. suche doch den geringsten Teil der Weisheit, bekenne mit Tränen deine Sünden. Und vielleicht wusch darum Christus seine Füße nicht, damit wir sie mit Tränen wüschen. Selige Tränen, die nicht nur unsere Sünde hinwegwaschen, sondern auch die Füße des himmlischen Wortes benetzen können, daß seine Schritte und Wege an uns gedeihen! Selige Tränen, in denen nicht nur die Erlösung der Sünden, sondern auch die Erquickung der Gerechten ist!

Denn mit den Tränen benetzen wir die Füße des Herrn[2], wenn wir selbst den letzten Gliedern des Herrn unser Mitleiden zuwenden. Mit den Haupthaaren trocknen wir die Füße des Herrn, wenn wir seinen Heiligen, mit denen wir Mitleiden haben, von unserem Überflüssigen geben. — Löse ferner deine Haare auf[3], wirf vor ihn hin alle Zierde deines Leibes. Nicht gering sind die Haare, Welche die Füße Christi trocknen können. — Die Frau küßt die Füße[4], welche sie trocknete. Dies tun auch wir, wenn wir diese, welchen wir wohltun, eifrig lieben. Auch kann unter den Füßen das Geheimnis der Menschwerdung selbst verstanden werden. Wir küssen also die Füße des Erlösers, wenn wir das Geheimnis seiner Menschwerdung aus ganzem Herzen lieben. Mit der Salbe salben wir seine Füße, wenn wir die Macht seiner Menschheit durch den Wohlgeruch des heiligen Gespräches verkünden.

Aber dieses sieht auch der Pharisäer und beneidet es, weil das jüdische Volk bei denk Anblicke, daß auch die Heidenwelt Gott verkünde, bei sich in seiner Sünde erschlafft. Der Pharisäer wird aber so zurückgewiesen, wie jenes ungläubige Volk durch ihn vorgestellt wird, weil nämlich jenes ungläubige Volk selbst nicht das, was außer ihm war, je für Gott darbrachte, während das bekehrte Heidenvolk für ihn nicht nur die äußere Habe, sondern auch das Blut vergoß.

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

 

Band 2, 28. Oktober 1899            
 

„Meine Tochter, wenn eine Seele überzeugt ist, dass sie Böses tat, indem sie Mich beleidigte, versieht sie bereits den Dienst der Magdalena, die meine Füße in ihren Tränen badete, sie mit Balsam salbte und mit ihrem Haar trocknete. Wenn die Seele beginnt, in sich hinein zu blicken und das Böse sieht, das sie getan hat, bereitet sie ein Bad für meine Wunden. Im Erkennen des Bösen erfährt sie Bitterkeit und empfindet Kummer darüber, und so kommt sie dazu, meine Wunden mit einem ganz auserlesenen Balsam zu salben. Aus dieser Erkenntnis heraus will die Seele Wiedergutmachung leisten, und ihre vergangene Undankbarkeit sehend, fühlt sie die Liebe zu einem Gott in sich aufkommen, der so gut zu ihr ist, und sie würde ihr Leben hingeben, um ihre Liebe zu beweisen; und das sind die Haare, die sie, wie viele goldene Ketten, an meine Liebe binden.“