Täglicher Kommentar zu zentralen Stellen der Evangelien in chronologischer Folge

Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia

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Johannes 6: 16-21

 

Jesus geht auf dem See

 

16 Als es Abend geworden war, gingen seine Jünger an den See hinab,

17 stiegen in ein Boot und fuhren über den See nach Kafarnaum. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen.

18 Es wehte ein starker Wind, der den See aufwühlte.

19 Sie waren etwa fünfundzwanzig bis dreißig Stadien weit gefahren, da sahen sie Jesus auf dem See gehen und sich dem Boot nähern. Sie gerieten in Furcht.

20 Er aber redete sie an: "Ich bin es! Fürchtet euch nicht!"

21 Sie wollten ihn in das Boot nehmen; - und sofort war das Boot an der Küste, der sie zusteuerten.

 

Catena Aurea – Hl. Thomas von Aquin. Eine fortlaufende, ganz aus den Stellen der Kirchenväter und Kirchen-Schriftsteller bestehende Auslegung der vier Evangelien.

 

Im geistigen Sinne aber speist der Herr die Scharen r), steigt in das Schiff. Denn es ist von ihm vorhergesagt (Psalm 7): Die Versammlung der Völker wird dich umgeben, und ihretwegen begib dich wieder auf die Höhe, d.h.  damit dich die Versammlung der Völker umgebe, gehe auf die Höhe. Warum heißt es aber: Er floh? Denn wenn er nicht wollte, würde er nicht festgehalten worden sein. Durch die Flucht deutete er aber etwas an, daß nämlich seine Erhabenheit nicht erkannt werden konnte. Denn was du nicht einsiehst, davon sagst du: Es entgeht mir (ku^it me). Er entfloh also allein auf den Berg, weil er über alle Himmel emporsteigt. Während er aber oben ist, sind die Jünger auf dem Schiffe dem Sturme ausgesetzt. Dieses Schiff bildete die Kirche vor. Es war schon Nacht, und mit Recht, weil es nicht Licht war; denn Jesus war nicht zu ihnen gekommen. Je mehr sich das Weltende naht, desto mehr wachsen die Irrtümer, wächst die Gottlosigkeit. Das Licht ist endlich die Liebe, nach den Worten (1. Johannes. 2, 9): Wer seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis. Die Wasserfluten, welche das Schiff bedrohen, die Stürme und Winde sind das Geschrei der Verdammten. Wenn die Liebe erkaltet, so vermehren sich die Fluten und kommt das Schiff in Verwirrung. Doch wurde trotz der Winde, des Sturmes, der Fluten und der Finsternis das Schiff weder vorwärts getrieben noch zerschlagen und versenkt. Denn wer ausharrt bis zum Ende, der wird selig sein. Die Fünfzahl bezieht sich aber auf das Gesetz, welches die fünf Bücher Moses sind. Also bezeichnet die Zahl fünfundzwanzig das Gesetz, weil fünf mal fünf fünfundzwanzig gibt. Ehe aber das Evangelium kam, fehlte diesem Gesetz die Vollkommenheit, welche in der Sechszahl liegt. Sechs muß also mit fünf vermehrt werden, damit das Gesetz durch das Evangelium erfüllt werde, da sechs mal fünf dreißig geben. Zu denen also, welche das Gesetz erfüllen, kommt Jesus auf den Fluten wandelnd, d.h.  indem er alle Eitelkeit der Welt unter seinen Füßen hat, und dennoch sind die Trübsale so groß, daß selbst die, welche an Jesus glauben, sich vor dem Untergange fürchten.

Wenn uns aber die Menschen oder die Teufel durch die Furcht zu schrecken suchen, so wollen wir Christus sagen hören: Ich bin es, fürchtet euch nicht, d.h.  ich stehe immer bei, weil ich als Gott fortdauere und niemals vergehe; verwerfet um die falschen Lehren den Glauben     an mich nicht.    Betrachte auch, wie der Herr nicht am Anfang der Gefahr, sondern am Ende beisteht. Denn er läßt uns mitten in die Gefahren fallen, damit wir in den Trübsalen kämpfen und bewährt werden, und zu dem allein unsere Zuflucht zu nehmen, der uns aus den unverhofften Gefahren befreien kann. Denn wenn der menschliche Verstand sich selbst nicht zu helfen weiß, alsdann kommt die göttliche Hilfe. Wenn wir ferner Christus in unser Schiff aufnehmen, d.h.  in unserem Herzen wohnen lassen wollen, so befinden wir uns sogleich an dem Land, wohin wir gehen wollen, nämlich im Himmel.Weil ferner dieses Schiff nicht träge, sondern mutig Rudernde führt, so liegt darin, daß in der Kirche nicht Träge und Weichliche, sondern Kräftige und in guten Werken Ausharrende zu dem Ufer des ewigen Heiles gelangen.

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AUS DEN SCHRIFTEN VON LUISA PICCARRETA

Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens, Tag 4

Nun mein Kind, sobald ich empfangen war, wurde die Gottheit durch mich in Jubel versetzt. Himmel und Erde feierten mich und erkannten mich als ihre Königin an. Ich war so sehr mit meinem Schöpfer vereint, dass ich mich in den Göttlichen Gefilden als Herrin fühlte. Ich wusste noch nicht, was Trennung von meinem Schöpfer ist. Derselbe Göttliche Wille der in mir herrschte, regierte in Ihnen [den Göttlichen Personen] und machte uns untrennbar.

Und wie nur Lächeln und Festfreude zwischen mir und Ihnen herrschte, da erkannte ich, dass Sie mir nicht trauen konnten, wenn sie keinen Beweis für meine Treue hätten [durch eine Prüfung]. Mein Kind, die bestandene Prüfung ist das Banner, die den Sieg verheißt. Die Prüfung [disponiert die Seele und] bringt alle Güter, die uns Gott geben will, [und hält sie für uns] in Sicherheit. Die Prüfung lässt die Seele reifen und disponiert sie zur Erlangung großer Gewinne, und auch ich akzeptierte die Notwendigkeit dieser Prüfung, weil ich meinem Schöpfer als Vergeltung für die vielen Gnadenmeere, die Er mir geschenkt hatte, einen Beweis [meiner Liebe] geben wollte, der mich das Opfer meines ganzen Lebens kosten sollte. Wie schön ist es, sagen zu können: "du hast mich geliebt, und ich habe dich geliebt!" Aber ohne Prüfung kann man das nicht sagen.

Mein Kind, das Göttliche Fiat offenbarte mir die Erschaffung des unschuldigen und heiligen Menschen. Auch für ihn war alles Glückseligkeit. Er hatte Gewalt über die ganze Schöpfung, und alle Elemente waren seinen Winken gehorsam. Als in Adam der Göttliche Wille regierte, war kraft dieses Willens auch er untrennbar mit seinem Schöpfer verbunden. Um in Adam einen Akt der Treue zu sehen gegenüber so vielen Gütern, die Gott ihm verliehen hatte, befahl Er ihm, dass er eine einzige Frucht unter so vielen in diesem irdischen Paradies nicht anrühren solle.

Das war die Prüfung, die Gott wollte, um seine Unschuld, Heiligkeit und Glückseligkeit zu bestätigen, und um ihm das Recht der Befehlsgewalt über die ganze Schöpfung zu gewähren. Aber Adam war in der Prüfung nicht treu, und da er als nicht treu befunden wurde, konnte Gott ihm nicht vertrauen; und daher verlor er die Herrschaft [über sich und die Schöpfung], die Unschuld, die Glückseligkeit und verkehrte das Werk der Schöpfung.

Nun, Kind meines Herzens, als ich die schrecklichen Übel des menschlichen Willens in Adam und seiner Nachkommenschaft erkannte, da beweinte ich, deine Himmlische Mutter, obwohl kaum empfangen, bitterlich und mit heißen Tränen den gefallenen Menschen. Als der Göttliche Wille mich weinen sah, fragte Er mich, ob ich Ihm zur Prüfung meinen menschlichen Willen überlasse. Das göttliche FIAT sprach zu mir: "Ich verlange von dir keine Frucht wie bei Adam, nein, nein: sondern Ich bitte dich um deinen Willen. Du wirst ihn gebrauchen, als ob du ihn nicht besäßest, [zusammenwirkend mit und] unter der Herrschaft Meines Göttlichen Willens, sodass Er sein Leben in dir forme, und zuverlässig das bewirke, was Er wünscht.”

Das Höchste Fiat verlangte als Prüfung die Treue meines Willens und wirkte so den vierten Schritt in meiner Seele: Es wartete darauf, dass ich eine solche Prüfung annehme und schließlich auf mein FIAT.