Die Akte der "Neuen Heiligen"

Um diese Wahrheit besser zu auszudrücken, stellen sie sich einen kleinen Teich vor, in dessen Mitte ein Felsblock fällt, der seinerseits verschiedene konzentrische Ringe auf der Oberfläche des Wassers hervorbringt – einige klein, andere groß, und wieder andere schlagen vor und zurück an das Ufer. Der Umkreis des Teiches repräsentiert Gottes einen „ewigen Modus“ des Wirkens (ewiger Akt), der weder Anfang noch Ende hat; das Wasser repräsentiert die ganze Schöpfung und alle Jahrhunderte; die konzentrischen Ringe repräsentieren die Akte des Menschen, die in und außerhalb des Göttlichen Willens getan werden. Die kleinen konzentrischen Ringe in der Mitte des Teiches repräsentieren kontinuierliche Akte, die vollkommen im Göttlichen Willen getan werden; die größeren Ringe repräsentieren kontinuierliche Akte, die unvollkommen im Göttlichen Willen getan werden, da sie sich aus dieser Mitte entfernen; die Ringe, die an das Ufer vor und zurückschlagen, repräsentieren unterbrochene Akte, die im Göttlichen Willen getan werden. Nun, nur die Ringe, die im Teich bleiben und die nie das Wasserbett verlassen, repräsentieren den Zustand des Lebens im Göttlichen Willen, doch in verschiedenen Graden, manche vollkommener als andere. Die kleineren und größeren Ringe, die kontinuierlichen Akte im Göttlichen Willen repräsentieren, konstituieren „göttlichen Akte“, die in Gottes einem ewigen Modus des Wirkens bleiben, und deshalb in der Ewigkeit, da sie nie ihren Umkreis verlassen.

Daraus folgend, Jesu Worte an Luisa:

 

„Meine geliebte Tochter, hast du das gesehen? Das Meer symbolisiert Meine Unermesslichkeit, während die Gegenstände, verschieden an Größe, die Seelen symbolisieren, die in Meinem Willen leben – doch mit verschiedenen Weisen des Lebens: manche an der Oberfläche, andere tiefer und wieder andere, die sich völlig in Mir verlieren, alle variieren entsprechend des Wie ihres Lebens in Meinem Willen. Manche Seelen leben in [Meinem Willen] auf unvollkommene Weise, andere auf eine vollkommenere Weise, und wieder andere erreichen den Punkt, sich völlig in Meinem Willen zu verlieren“ (L. PICCARRETA, XI, 29. Juni 1914).

Nota bene: Dass Seelen im Göttlichen Willen in verschiedenen Graden der Vollkommenheit leben können, wird wiederum Luisa kundgetan (Band XVI, 10. Februar 1924)

 

Jedoch sind die Akte, die vor und zurück an das Ufer schlagen, die unterbrochenen Akte im Göttlichen Willen repräsentieren, die in Gottes ewigen Modus des Wirkens eintreten und austreten und deshalb Akte genannt werden, die den Göttlichen Willen „als Leihgabe“ erfahren. Daher Luisas Behauptung, dass nur die Seelen, die kontinuierliche Akte im Göttlichen Willen tun, so weit kommen, ihn zu „besitzen“:

 

„Ich dachte (…) dass das [Leben] im Göttlichen Willen eine Gabe ist, und als eine Gabe besitzt man sie als sein Eigentum. Auf der anderen Seite muss, wer den Willen Gottes tut, sich seinen Befehlen unterwerfen, und er muss sehr oft fragen, was er tun muss. Ihm ist diese Gabe geliehen, er ist nicht ihr Besitzer, sondern ihm wird gesagt, diese Handlung zu tun, die Gott will, und wenn er sie getan hat, gibt er die Gabe zurück, die er geliehen hat. Viele Bilder und Gleichnisse bildeten sich in meinem Geist, denjenigen betreffend, der im Göttlichen Willen lebt und ihn als eine Gabe besitzt, und dem, der den Heiligsten Willen Gottes tut, der [indem er ihn tut] es nicht nur versäumt, die Fülle der Gabe zu besitzen, sondern wenn [man sagt], dass er sie besitzt, so tut er es mit Unterbrechungen und gleichsam leihweise (…)“

(L. PICCARRETA, XVIII, 25. Dezember 1925).

 

Die kontinuierlichen Akte im Göttlichen Willen (kleine und große Ringe im Teich) nehmen an Gottes einem ewigen Modus des Wirkens teil, der auf alle Geschöpfe aller Jahrhunderte in jedem Augenblick einwirkt. Die unterbrochenen Akte im Göttlichen Willen (Ringe im Teich, ehe sie ans Ufer schlagen) nehmen auch an Gottes einem ewigen Modus des Wirkens teil, der auf alle Geschöpfe aller Jahrhunderten einwirkt, doch wenn einmal diese Akte den Göttlichen Willen verlassen (über den Teichrand schwappen), haben sie aufgehört, auf die ganze Schöpfung einzuwirken und alle Jahrhunderte.

 

 

 

Überdies, die kleinen Akte in der Nähe der Mitte des Teiches wirken qualitativ  auf die ganze Schöpfung und alle Jahrhunderte ein, mehr als die größeren äußeren Ringe. Diese Wahrheit ist in der Analogie eines Dimmers sichtbar, der einen Raum erleuchtet. Je mehr man den Dimmer aufdreht, umso mehr Licht wird auf die Gegenstände im Raum geworfen. Ähnlich, je mehr die Akte einer Seele in Gottes Göttlichem Willen „zentriert“ sind, umso mehr erleuchten und erheben sie die ganze Schöpfung. Luisa erläutert diese Wahrheit nach neun Jahren, nachdem sie die Gabe des Lebens im Göttlichen Willen empfangen hatte, als sie mit dem Alter von 35 in ihm „zentriert“ wurde.

In ihrem Text erläutert Luisa alle zuvor erwähnten Stufen durch eine Reihe von Vermählungen. Nachdem sie fortgeschritten war von der unterbrochenen Erfahrung von Gottes ewigen Modus [den Göttlichen Willen als Leihgabe empfangen] bei der Geistlichen Vermählung auf Erden (16. Oktober 1888, Alter: 23), erfuhr sie ihre Geistliche Vermählung im Himmel (7. September 1889; Alter: 24) und in diesem Moment empfing sie die Gabe des Lebens im Göttlichen Willen. Bei einem undatierten Eintrag (zwischen 24-35 Jahren) erfuhr sie die Vermählung des Kreuzes. Dann, wie festgestellt, trat sie ein, als sie im Göttlichen Willen „zentriert“ wurde und ihn „gänzlich und vollständig“ besaß (16. Nov. 1900; Alter: 35). Obwohl mit dem Alter von 24 Luisa in den neuen Zustand von Gottes ewigen Modus eintrat, um ihn nie zu verlassen, fuhr sie fort, in demselben Zustand in endlosen Graden zunehmender Qualität fortzuschreiten.

 

Unten ist eine Übersicht von 4 Arten der Heiligkeit von der fortschreitenden mystischen Einheit der Seele mit Gott, wie es von den Heiligen vor Luisa ausgedrückt wurde (a, b und c) und nachdem Luisa die Gabe des Lebens im Göttlichen Willen empfangen hat (d):

a) Menschlicher Modus (Reinigung: „Tun des Göttlichen Willens“).

b) Göttlicher Modus (Erleuchtung/Geistliche Verlobung: „Tun des Göttlichen Willens“).

c) Kontinuierlicher Göttlicher Modus (Einigung/Geistliche Vermählung: „Tun des Göttlichen Willens“).

d) Ewiger Modus: (Leben im Göttlichen Willen). Alle Seelen vor Luisa (außer Maria) waren fähig, den Göttlichen Willen vollkommen zu „tun“, doch erst als diese Gabe in einem Geschöpf aktualisiert wurde, das in Sünde empfangen worden war (Luisa), konnten alle im Göttlichen Willen „leben“. Einfach gesagt, bis diese Gabe in Luisa aktualisiert wurde, war die Menschheit unfähig, auf die ganze Schöpfung und alle Jahrhunderte einzuwirken.

 

Pater JL Iannuzzi, STD, Ph.D.

 

Nota bene: Alle Zitate sind aus der Dissertation entnommen, die vom Heiligen Stuhl approbiert ist, und durch über 25 katholische Bischöfe bestätigt.